09.04.2026 |

Weltgesundheitstag 2026: Globale Gesundheit in der Finanzierungskrise

Jährlich findet am 7. April der Weltgesundheitstag statt. 2026 steht dieser unter dem Motto „Together for health. Stand with science.“ Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) unterstreicht die Bedeutung von wissenschaftlicher internationaler Zusammenarbeit, um die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt im Sinne des One-Health-Ansatzes zu schützen. 

Zu diesem Anlass hatte der französische Präsident Emmanuel Macron nach Lyon zum One Health Summit geladen. Daraus gingen die folgenden Pläne der WHO und ihrer Partner hervor: der Aufbau eines globalen Netzwerks von One-Health-Institutionen, die Verstärkung der wissenschaftlichen Beratung durch das One Health High-Level Expert Panel bis 2029, ein verstärkter Einsatz zur weltweiten Eliminierung von hundeübertragenen Tollwutfällen bis 2030 sowie die Einführung einer einheitlichen Strategie zur Bekämpfung von Vogelgrippe.

Diese zukunftsweisenden Pläne treffen jedoch auf eine angespannte Realität: Die globale Gesundheit befindet sich in einer tiefgreifenden Finanzierungskrise. Weltweit kürzen Regierungen ihre Mittel für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA), die den Großteil der Unterstützung in besonders vulnerablen Ländern bereitstellt und entscheidend für Fortschritte in der globalen Gesundheit (SDG 3) ist. 2025 haben die großen Geberstaaten wie die USA, Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich massive Kürzungen vorgenommen und werden diesen negativen Trend voraussichtlich auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

Wie gravierend mögliche Folgen sind, zeigt eine aktuelle Studie des Barcelona Institute for Global Health. Anhand von Daten der vergangenen zwei Jahrzehnte aus 93 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen wurde unter Berücksichtigung demografischer, sozioökonomischer und gesundheitssystembezogener Faktoren der Zusammenhang zwischen ODA-Mitteln pro Kopf und Sterblichkeit analysiert. 

Anschließend modellierten die Forschenden zwei Szenarien, um abzuschätzen, wie sich die aktuellen Kürzungstrends bis 2030 auf die globale Gesundheit und Entwicklung auswirken könnten. Die Ergebnisse sind alarmierend: In einem moderaten Szenario mit einer Kürzung von 10,6 Prozent könnten bis zu 9,4 Millionen vermeidbare Todesfälle auftreten, darunter etwa 2,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren. In einem drastischeren Szenario, in dem die Kürzungen weiter zunehmen, wären sogar mehr als 22,6 Millionen zusätzliche Todesfälle zu erwarten, darunter rund 5,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren.

Auch globale Gesundheitsinitiativen wie die Impfallianz GAVI oder der Globale Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria sowie multilaterale Organisationen wie die WHO sind zunehmend von Finanzierungslücken betroffen. Besonders ins Gewicht fällt der US-Austritt aus der WHO, durch den rund 20 Prozent des Budgets wegfallen, sowie die Auflösung der Entwicklungshilfebehörde USAID, die bislang etwa 41 Prozent der internationalen gesundheitsbezogenen Leistungen bereitstellte.

Für das Jahr 2026 hat die WHO daher einen Notfallappell an die Regierungen gestartet, um Gelder einzusammeln, mit denen Millionen von Menschen in humanitären Krisen und Konflikten der Zugang zu Gesundheitsversorgung gesichert werden soll. Der Aufruf beläuft sich auf rund 1 Milliarde US-Dollar.

Auch in Deutschland sinken die ODA-Ausgaben seit einigen Jahren deutlich. Das international vereinbarte Ziel von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) wurde bereits 2024 unterschritten und könnte laut Prognosen von VENRO und auf Grundlage des im Juni 2025 vorgelegten Haushaltsentwurfs der Bundesregierung für 2026 auf eine ODA-Quote von 0,44 Prozent sinken. Dies betrifft auch das Budget, das für globale Gesundheit bedeutsam ist. Nach einem pandemiebedingten Höchststand 2021 sind die Mittel deutlich gesunken und liegen weiterhin unter der von der WHO formulierten Zielmarke von 0,1 Prozent des BNE. 

Unter diesen Umständen und angesichts fortschreitender Kürzungen im Bereich der globalen Gesundheit liegt die Erreichung des Nachhaltigkeitsziels 3 (SDG 3) in weiter Ferne.