11.12.2025 |

UNCTAD-Report: Finanzrisiken gefährden Welthandel und Entwicklung besonders des Globalen Südens

Unter dem Titel „Am Abgrund – Handel, Finanzen und die Neugestaltung der globalen Wirtschaft“ hat die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) einen neuen Bericht veröffentlicht, der davor warnt, dass die enge Verflechtung von Handel und Finanzsystem die Weltwirtschaft zunehmend verwundbar macht. Veränderungen an Finanzmärkten beeinflussen den Welthandel inzwischen fast ebenso stark wie realwirtschaftliche Aktivitäten. Da über 90 Prozent des Handels bankfinanziert sind, führen höhere Zinsen, Kapitalabflüsse oder Dollar-Liquiditätsengpässe weltweit zu spürbaren Handelsrückgängen – besonders in Entwicklungsländern, die begrenzten Zugang zu günstigem Kredit haben.


Obwohl der Globale Süden ein zentraler Treiber des weltweiten Wachstums ist, bleibt sein Zugang zu Finanzmärkten schwach. Viele Länder müssen zu deutlich höheren Zinssätzen (7–11 %) im Ausland leihen. Klimarisiken verschärfen die Lage zusätzlich: besonders gefährdete Staaten zahlen jährlich rund 20 Mrd. US-Dollar an zusätzlichen Zinskosten.


Die anhaltende Dominanz des US-Dollars stabilisiert zwar das System, bindet Entwicklungsländer aber zugleich an externe Finanzzyklen. Gleichzeitig nimmt die Finanzialisierung von Rohstoffmärkten zu: Bei großen Lebensmittelhandelsunternehmen stammen inzwischen über 75 Prozent der Erlöse aus Finanzgeschäften statt aus physischem Handel.


UNCTAD stellt daher eine Reihe praktischer Reformen vor, die finanzielle Risiken verringern, mehr Vorhersehbarkeit schaffen und Handel, Finanzen und Entwicklung besser aufeinander abstimmen sollen. Der Bericht fordert:

  • das internationale Handelsschlichtungssystem zu reparieren, damit Regeln verlässlich gelten und Unsicherheiten sinken;
  • Handelsregeln an die heutige Wirtschaft anzupassen – etwa für Dienstleistungen, digitalen Handel, Klimaschutz und neue Industriepolitik;
  • Datenlücken bei Handels- und Investitionsstatistiken zu schließen, damit Politik besser geplant und abgestimmt werden kann;
  • das internationale Währungssystem zu reformieren, um starke Währungs- und Kapitalflussschwankungen zu vermeiden;
  • regionale und nationale Kapitalmärkte zu stärken, damit Entwicklungsländer leichter und günstiger langfristige Finanzierung erhalten;
  • bessere Schutzmechanismen gegen finanzielle Schocks;
  • mehr Transparenz im Rohstoffhandel und besseren Zugang zu bezahlbarer Handelsfinanzierung – besonders für kleine Unternehmen.