Die im Koalitionsvertrag angekündigte unabhängige Nord-Süd-Kommission wurde im Rahmen der diesjährigen Hamburg Sustainability Conference offiziell gelaunched. Die Initiative tritt in große Fußstapfen und knüpft an das Erbe der berühmten „Nord-Süd-Kommission“ an, die vor fast fünfzig Jahren, im Jahr 1977, unter der Leitung von Willy Brandt stand.
Den gemeinsamen Vorsitz der Neuauflage übernehmen der ehemalige deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und die ehemalige Ministerpräsidentin von Costa Rica, Laura Chinchilla. Bis zu 20 Kommissionsmitglieder – die Mehrheit davon aus Ländern des Globalen Südens – werden eingeladen, gemeinsame Antworten zu finden und konkrete Vorschläge für eine gerechtere globale Zusammenarbeit zu erarbeiten. Die Kommission wird sich auf Themen wie Entwicklungsfinanzierung, Klima, Handel und Konflikte konzentrieren.
Die deutsche Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, sieht in der Kommission eine Chance, „endlich langjährige Versprechen gegenüber Ländern des Globalen Südens einzulösen“ und zu definieren, „wie sich Institutionen und Regeln ändern müssen“.
Der Ko-Vorsitzende Olaf Scholz betonte: „Wir leben in einer völlig anderen Welt als zu Zeiten von Willy Brandt, da heute der Großteil der industriellen Produktion im Globalen Süden stattfindet und wir neue Maßnahmen für eine faire Zusammenarbeit brauchen.“
Wie die Ko-Vorsitzende Laura Chinchilla hervorhob: „Keine Nation allein, keine Region für sich wird in der Lage sein, die Probleme zu lösen, mit denen wir konfrontiert sind.“
„Die Menschen haben genug vom Gerede – insbesondere diejenigen aus Entwicklungsländern“, sagte Ngozi Okonko-Iweala, Generaldirektorin der WTO. Sie wies darauf hin, dass es wichtig sei, die richtigen Fragen zu stellen und sehr konkrete Empfehlungen zu erarbeiten, die dazu beitragen, das Vertrauen wiederherzustellen.
Die Kommission wird voraussichtlich 2027 einen Zwischenbericht und bis Ende 2028 einen Abschlussbericht mit konkreten Empfehlungen vorlegen. Ob sie der zumindest im englischen vorgenommenen Namensumkehr einer „South-North-Coalition“ gerecht werden kann, wird sich zeigen.
