13.05.2026 |

Internationale Zusammenarbeit zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen: die Santa Marta Konferenz 2026

Vom 24. bis 29. April 2026 fand in Santa Marta, Kolumbien, die erste Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen (First Conference on Transitioning Away from Fossil Fuels – TAFF), ausgerichtet von Kolumbien und den Niederlanden, statt. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und Kriegen, einer globalen Ölkrise und zunehmender Extremwetterereignisse, zeigt sich die Dringlichkeit, die Abhängigkeit von Öl und Gas zu verringern und den Übergang hin zu erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Die Initiative für die Konferenz wurde im Rahmen der Weltklimakonferenz COP30 in Belém von den beiden Gastgeberländern angekündigt und von einer breiten Staatengruppe unterstützt, darunter auch 25 Unterzeichner der Belém Declaration, die eine Beschleunigung der Umsetzung bestehender Verpflichtungen zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen fordert. 

Die TAFF-Konferenz war ausdrücklich nicht als neues Verhandlungsformat gedacht und soll bestehende Institutionen wie die UN- Klimarahmenkonvention (UNFCCC) nicht ersetzen, sondern komplementär dazu einen Rahmen für Dialog und internationale Zusammenarbeit schaffen. Thematisch konzentrierte sich der Austausch auf drei im Vorhinein definierte Säulen: die Überwindung wirtschaftlicher Abhängigkeiten, die Transformation von Angebot und Nachfrage, sowie die Stärkung internationaler Zusammenarbeit und Klimadiplomatie. 

Insgesamt nahmen 57 Länder an der Konferenz teil, um die im Pariser Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zu unterstützen. Unter Einbeziehung von Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft wurde ein geschützter Rahmen geschaffen, um Austausch über Wege zum Ausstieg aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu ermöglichen. 

 In den ersten Tagen fanden von verschiedenen Interessengruppen geführte Dialoge statt, in denen über zentrale Fragen der Transformation diskutiert wurde. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Perspektiven der vom Klimawandel stark betroffenen Gruppen, darunter indigene Völker und Arbeiter:innenverbände, gelegt. In den letzten beiden Tagen fand anschließend das High-Level-Segment auf Miniter:innenebene statt, in welchem die zuvor erarbeiteten Ergebnisse vorgestellt wurden. Ziel war es, durch die Beteiligung von Regierungsvertreter:innen und nichtstaatlichen Akteuren politisch tragfähige und legitimierte Lösungsansätze zu entwickeln und konkrete Handlungspfade als Grundlage für die weiteren Klimaverhandlungen im Rahmend er UN aufzuzeigen. 

In einem im Anschluss an die Konferenz veröffentlichten Bericht halten Kolumbien und die Niederlande die fünf wichtigsten Ergebnisse fest: 

  1. Für 2027 ist eine weitere internationale Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen geplant, die von Tuvalu und Irland gemeinsam im pazifischen Inselstaat Tuvalu ausgerichtet werden soll.
  2. Eine Koordinierungsgruppe soll die Kontinuität des Prozesses sichern, verschiedene Initiativen vernetzten und sich mit der COP30-Arbeitsgruppe 4, zum Ausstieg aus fossilen Energien, auseinandersetzen. 
  3. Um die Komplementarität mit der UNFCCC sicherzustellen, werden die Konferenzergebnisse in bestehende internationale Rahmenwerke eingebracht. Sie sollen unter anderem die COP30 und die zweite globale Bestandaufnahme (Global Stockstake, GST 2) informieren. 
  4. Es werden drei thematische Arbeitsstränge eingerichtet, die sich mit der Entwicklung von Transformationspfaden, makroökonomischen Abhängigkeiten und der Finanzarchitektur, sowie der Abstimmung zwischen Produzenten- und Konsumentenländern im fossilen Energiesektor befassen.
  5. Ein Wissenschaftsgremium (Science Panel for the Global Energy Transition, SPGET) wurde ins Leben gerufen, um Staaten durch die Entwicklung 1,5-Grad-kompatibler Übergangsstrategien bei der Reduzierung ihrer Abhängigkeit von fossilen Energien zu unterstützen. 

Insgesamt wird die Konferenz von vielen als sehr positiv bewertet. Umweltorganisationen hoffen auf einen „Wendepunkt für den globalen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen“. Gleichzeitig betont Greenpeace, dass Santa Marta zwar ein wichtiges Aufbruchszeichen darstelle, jedoch noch keine Lösung sei. Ähnlich äußert sich Oxfam und beschreibt die Konferenz als einen ersten Schritt hin zu einer gerechten Transformation. Die Organisation kritisiert jedoch auch, dass wohlhabende Staaten ärmere Länder bislang nicht ausreichend finanziell unterstützen, diese aber besonders stark unter den Folgen der Klimakrise leiden. Aufgrund ihrer historischen Verantwortung wird gefordert, dass reiche Länder nicht nur schneller handeln, sondern auch umfassende finanzielle Mittel bereitstellen sollen. 

Deutschland wurde von Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth vertreten, der das Treffen als „wichtigen Prozess“ lobte. Umweltverbände sehen jedoch Widersprüche zwischen internationalem Engagement und nationaler Politik, da Deutschland weiterhin auf Öl und Gas setzt. 

Die Konferenz verdeutlicht den wachsenden internationalen Willen zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Dessen Umsetzung bringt jedoch weiterhin erhebliche politische und finanzielle Herausforderungen mit sich.