Die Vereinten Nationen befinden sich in einer der tiefsten Krisen seit ihrer Gründung und das nicht erst seitdem die USA und andere Mitgliedstaaten ihre Zuwendungen gekürzt haben. Zum 80. Geburtstag hat der UN Generalsekretär António Guterres 2025 seiner Organisation mit der UN80 Initiative deshalb einen Reformkurs verordnet. Mandate und Organisationsstrukturen werden dabei auf den Prüfstand gestellt, um Verbesserungsmöglichkeiten und Sparpotenziale zu identifizieren. Die Initiative hat jetzt einen Bericht vorgelegt, in dem den Mitgliedstaaten 31 Arbeitspakete vorgestellt und nächste Schritte erläutert werden.
Dabei wird das Organigramm ziemlich durcheinandergewirbelt. Von den Strukturveränderungen, die zum Teil das Zusammenlegen von Organisationseinheiten oder sogar deren Auflösung beinhalten, betroffen sind die Politikfelder:
- Frieden und Sicherheit – u.a. sollen multidimensionale Ansätze entwickelt werden, um Friedenseinsätze besser an den Herausforderungen neuer Konflikte auszurichten. Im Bereich der Abrüstung werden agilere und einsatzorientiertere Verfahren angestrebt, die auf Prävention, Friedenskonsolidierung und politische Lösungen setzen. Auch in der Bekämpfung von Drogenhandel, Terrorismus und Extremismus sollen stärker Synergien genutzt werden. Das UN Institut für Abrüstungsforschung (UNIDIR) wird in das UN Büro für Abrüstungsfragen (UN ODA) integriert, das Interregionale Institut zur Erforschung von Kriminalität und Rechtspflege (UNICRI) geht im UN Büro für die Bekämpfung von Drogenhandel und Kriminalität (UNODC) auf.
- Humanitäre Hilfe – hier sollen Planungsprozesse vereinfacht werden, um schneller und gezielter Unterstützung bereit zu stellen. Außerdem sieht das Arbeitspaket eine stärkere Integration von Lieferketten Dienstleistung zu einer „Unified Service Roadmap“ (Arbeitspaket 14) für das UN-System vor. Beitragen soll dazu auch eine bessere Erfassung und vernetzte Anwendung von Daten.
- Nachhaltige Entwicklung – in diesem Bereich könnte es die größten organisatorischen Einschnitte geben. Geprüft wird eine Zusammenlegung des UN Büros für Projektdienste (UNOPS) mit den Entwicklungsprogramm (UNDP). Der Bevölkerungsfonds (UNFPA) soll mit UN Women verschmelzen. Obwohl betont wird, dass dadurch nicht die Mandate der beiden Organisationen beschnitten werden, wurden im Zuge der 70. Sitzung der UN Frauenrechtskommission bereits Sorgen laut, dass dadurch wichtige Kapazitäten im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit verloren gehen könnten. Dazu kommt, dass ebenfalls eine Auflösung und das Mainstreaming von UNAIDS auf der Agenda steht.
- Menschenrechte – um sicherzustellen, dass Menschenrechte systemweit berücksichtigt und in all ihren Dimensionen berücksichtigt und voll integriert werden, wird eine neue stehende Menschrechtsgruppe eingesetzt.
Darüber hinaus sind weitere Maßnahmen zur Vereinfachung von Strukturen und Instrumente zum Poolen von Ressourcen geplant, beispielsweise sollen Wissenshubs aufgebaut und Expertisen schneller bereitgestellt werden. Daten sollen strukturübergreifend verfügbar gemacht und die Finanzierung des Kernbudgets attraktiver werden. Die Veränderungen reichen bis zu den Länder- und Regionalstrukturen. In dem Bericht wird von einem „Regional Reset“ gesprochen, der die Ebenen besser miteinander verzahnen soll.
