18.10.2017 | Germanwatch

Ist die EU eine der Hauptverantwortlichen für die Entwaldung in Brasilien?

Neue Germanwatch/HNE Eberswalde-Studie zur Quantifizierung der CO2-Emissionen des Imports von Rindfleisch und Soja
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Die Reduktion der Treibhausgasemissionen, um die globale Erwärmung auf unter 2°C bzw. sogar unter 1,5°C zu begrenzen, wie es die Staats- und Regierungschefs in der „Pariser Vereinbarung“ im Dezember 2015 vereinbart haben, kann nur gelingen, wenn die Entwaldung in den kommenden Jahrzehnten drastisch reduziert wird. Denn die dadurch freigesetzten Emissionen machen fast ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen aus.

Der Großteil der weltweiten Entwaldung findet in Südamerika und Afrika statt. Brasilien ist seit vielen Jahren das Land mit der höchsten absoluten Entwaldung. Es liegt weit von Europa entfernt, können wir uns also zurücklehnen und Brasilien die gesamte Verantwortung für die freigesetzten Emissionen aufbürden? Nein! Wir müssen uns die Verursacher dieser Entwaldung ansehen, um effektive politische Maßnahmen zu deren Vermeidung zu entwickeln – und hier ist die EU ganz klar gefragt. Die Ausbreitung von Rinderweiden und Ackerflächen für den Sojaanbau ist hauptverantwortlich für die Entwaldung in Brasilien, vor allem im Amazonasregenwald und der Cerrado Savanne. Rindfleisch und Soja – als Bohnen, Schrot oder Mehl – sind sehr wichtige brasilianische Exportgüter. An dieser Stelle kommt die internationale Nachfrage, und damit die EU als der weltweit drittgrößte Nettoimporteur von landwirtschaftlichen Produkten, ins Spiel.

Die vorliegende Studie versucht die Frage zu beantworten, ob die EU eine der Hauptverursacher für die Entwaldung in Brasilien ist und quantifiziert die CO2-Emissionen, die durch die Entwaldung für das importierte Rindfleisch und Soja entstehen. Diese Quantifizierung beinhaltet eine Abschätzung der indirekten Landnutzungsänderung (indirect land use change, iLUC), wonach ein Großteil des Sojas auf ehemaligen Rinderweiden angebaut wird und somit nicht direkt, sondern indirekt zu Entwaldung führt. Seine Expansion führt zu neuer Entwaldung, da für die durch den Sojaanbau verdrängten Rinderweideflächen neu gerodet wird. Zu diesem Zweck wurde eine eigene landes- und situationsspezifische Methode entwickelt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die EU zwischen den Jahren 2002 und 2006 der größte ausländische Verursacher für Entwaldung in Brasilien war. Im Jahr 2005 war die EU für 19 % der Entwaldung verantwortlich, was rund 780.000 ha und Emissionen in Höhe von 200 Millionen Tonnen CO2 – bzw. 18 % der brasilianischen Emissionen aus Entwaldung – entspricht.

Die Studie wurde verfasst von Carina Zell-Ziegler und betreut von Tobias Reichert (Germanwatch) und Prof. Dr. Martin Welp (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde).