14.11.2017 | Forum Umwelt und Entwicklung

Doppeldeutige Rhetorik – begrenzte Wirkung

Eine Bilanz der BMZ-Strategie zur Hungerbekämpfung unter Minister Gerd Müller (2013-2017)
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In den letzten Jahrzehnten hat sich die Welt tiefgreifend gewandelt – politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich. Aber eine Zahl hat sich, bei allem Wandel, als erstaunlich konstant, ja als geradezu resistent erwiesen: 815 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Die Zahl der Hungernden auf der Erde pendelt seit Jahrzehnten zwischen 750 und 1000 Millionen. 1996 beschloss der Welternährungsgipfel in Rom, die Zahl der Hungernden von damals etwa 800 Millionen bis 2015 zu halbieren. Ähnliche Beschlüsse wurden seitdem immer wieder gefasst.
 
Die Ursachen dafür sind vielfältig, sie befinden sich aber keineswegs nur in den Ländern, in denen die Hungernden leben. Sie können auch nicht mit Entwicklungszusammenarbeit und höherer landwirtschaftlicher Produktivität allein beseitigt werden. Eine andere Gestaltung des globalisierten Wirtschafts- und Finanzsystems ist dafür eine zentrale Voraussetzung. Denn die Welt produziert genügend Nahrungsmittel für alle: die Hungernden hungern, weil sie arm sind, zu arm, um genügend Lebensmittel zu kaufen. Solange die Weltwirtschaftsbeziehungen die Reichen reicher und die Armen ärmer werden lassen, kann der Welthunger nicht zurückgehen.
 
Obwohl die Bekämpfung des Welthungers deshalb keine Ressortaufgabe sein kann, sondern von der gesamten Bundesregierung zu verantworten ist, ist doch der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Kabinett dafür zuständig. In der vergangenen Wahlperiode war dies Gerd Müller, der für diese Aufgabe nicht nur „zuständig“ war, sondern sich ihr auch gewidmet hat.
 
Was kam dabei heraus? Was sollte in den nächsten vier Jahren anders gemacht werden, was sollte beibehalten werden? Die im Forum Umwelt & Entwicklung zusammenarbeitenden Nichtregierungsorganisationen haben die Politik des BMZ in den letzten vier Jahren intensiv und kritisch begleitet. Niklas Amani Schäfer hat in enger Kooperation mit der AG Landwirtschaft & Ernährung des Forums Umwelt & Entwicklung diese Erfahrungen zusammengeführt und die vorliegende, faktenreiche Bilanz der letzten vier Jahre geschrieben und viele Empfehlungen für die Politik von Müllers Nachfolger oder Nachfolgerin – oder auch für Müllers zweite Amtsperiode – aus Sicht der deutschen Nichtregierungsorganisationen zusammengestellt.