26.10.2016 | Brot für die Welt

Bäuerliche Saatgutsysteme bedroht

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Jahrbuch zum Recht auf Nahrung kritisiert wachsenden Einfluss der Saatgut-Konzerne

Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN haben als Mitherausgeber zum neunten Mal das Jahrbuch zum Recht auf Nahrung vorgestellt. Schwerpunkt des Berichts ist der Zugang zu Saatgut. Vor dem Hintergrund der aktuellen Megazusammenschlüsse wie dem Versuch von Bayer, den US-Saatgutkonzern Monsanto zu übernehmen, ist dies ein aktuelles und brisantes Thema. Brot für die Welt und FIAN prangern den Machtzuwachs der Konzerne an. Bernhard Walter, Ernährungsexperte von Brot für die Welt: „Die Mega-Zusammenschlüsse unter den Pestizid- und Saatgutkonzernen schreiten immer weiter voran. Was im letzten Jahr mit dem Zusammenschluss Dow – DuPont begann, setzte sich mit Syngenta – ChemChina fort und findet seinen vorläufigen Höhepunkt mit der Übernahme von Monsanto durch Bayer. Die drei neuen Konzerne werden damit 60 Prozent des kommerziellen Saatgutmarktes und 70 Prozent des Pestizidmarktes kontrollieren. Wir befürchten, dass diese Megafusionen das Recht auf Nahrung bedrohen.“

Der Zugang zu Saatgut ist ein Garant für das Recht auf Nahrung und die Überlebenssicherung. „Es existiert weltweit ein informeller Saatgutmarkt, auf dem Bauern und Bäuerinnen Saatgut oft direkt tauschen und verkaufen. Dieser Markt ist noch immer die wichtigste Quelle für Saatgut in den Ländern des globalen Südens“, so Roman Herre, Menschenrechtsaktivist bei FIAN. Eigentlich wird der Zugang durch die im Saatgutvertrag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen verbrieften farmers‘ rights (to save, use, exchange, and sell farm-saved seeds) geschützt. Doch diese Rechte werden immer weiter durch Handelsabkommen und Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums ausgehöhlt.

Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN geben das Jahrbuch zum Menschenrecht auf Nahrung gemeinsam mit der Interchurch Organisation for Development Cooperation (ICCO) in Zusammenarbeit mit internationalen Fachorganisationen und Netzwerken heraus. Es erscheint in Englisch, Französisch und Spanisch.