02.04.2026 |

Wer folgt auf den UN-Generalsekretär in Zeiten wachsender globaler Spannungen?

Kandidierende präsentieren ihre Visionen

Er ist die Stimme der Vereinten Nationen. Ein Jahrzehnt lang führte Generalsekretär Antonio Guterres die Organisation unter zunehmend schwierigen Bedingungen. Zum 1. Januar 2027 endet seine zweite Amtszeit und die Vereinten Nationen stehen angesichts zunehmender globaler Spannungen und Herausforderungen vor der Wahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers.

Der Posten umfasst die Leitung des UN-Sekretariats und die Koordinierung der täglichen Arbeit der Vereinten Nationen. Neben administrativen Aufgaben hat das Amt auch politischen Einfluss, da es die internationale Agenda mitprägen kann. Zudem gehört auch die Vermittlung in Konflikten zu den Aufgaben, unterstützt durch Sonderbeauftragte in verschiedenen Regionen. 

Das Auswahlverfahren

Bewerbungen für das Amt müssen bis zum 1. April dieses Jahres eingereicht sein. Öffentliche Anhörungen beginnen am 20. April. Dort stellt jede:r Kandidat:in innerhalb von drei Stunden die eigene Vision vor und beantwortet Fragen von Mitgliedstaaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Die Ernennung erfolgt schließlich auf Vorschlag des Sicherheitsrates durch die Generalversammlung, wie in Artikel 97 der Charta vorgesehen. Dabei besitzen die fünf ständigen Vertreter (USA, Russland, China,  Großbritannien und Frankreich) ein Vetorecht. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre und kann anschließend einmal verlängert werden.

Vorgesehen ist eine Rotation des Amtes zwischen den Weltregionen. Demnach wäre Lateinamerika an der Reihe, das Amt des Generalsekretärs/der Generalsekretärin zu besetzen. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Vereinten Nationen, in ihrer 80-jährigen Geschichte zum ersten Mal eine Frau zur Generalsekretärin zu wählen. Die Generalversammlung wies in einer im September angenommenen Resolution darauf hin, dass bisher keine Frau zur Generalsekretärin ernannt wurde, und appellierte an die Mitgliedstaaten, bei zukünftigen Kandidaturen Frauen verstärkt zu berücksichtigen.

Kandidat:innen und ihre Visionen

Derzeit sind fünf Kandidat:innen für den Posten nominiert. Die veröffentlichten Vision Statements zeigen unterschiedliche Schwerpunkte der Kandidierenden und geben Einblicke in ihre Vorstellungen über die zukünftige Rolle der Vereinten Nationen. 

  • Michelle Bachelet (Chile) wurde am 2. Februar 2026 von Chile, Brasilien und Mexiko nominiert. Die frühere Präsidentin Chiles war die erste Frau an der Spitze ihres Landes und übte das Amt zweimal aus. Sie war zudem von 2018 bis 2022 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte sowie von 2010 bis 2013 Exekutivdirektorin von UN Women. In ihrer Kandidatur setzt sie einen besonderen Schwerpunkt auf Menschenrechte, Geschlechtergerechtigkeit und den Schutz vulnerabler Gruppen. Außerdem plädiert sie für eine Stärkung des Vertrauens in die Vereinten Nationen.
  • Virginia Gamba (Argentinien) wurde laut einem UN-Sprecher am 13. März 2026 von den Malediven nominiert. Sie war unter António Guterres Sonderbeauftragte für Kinder und bewaffnete Konflikte sowie für die Prävention von Völkermord. In ihrem Vision Statement beschreibt sie die UN als Organisation in einer Vertrauenskrise. Sie plädiert für eine effizientere, handlungsfähigere UN, die ihre Kernaufgaben, insbesondere die Förderung von Frieden, Stabilität und menschlicher Sicherheit, stärker priorisiert und strategische Partnerschaften weiter ausbaut.
  • Rafael Mariano Grossi (Argentinien) ist ein argentinischer Diplomat und seit 2019 Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO). Argentinien nominierte ihn offiziell am 26. November 2025. In seinem Vision Statement beschreibt Grossi die Herausforderung als eine Krise der Handlungsfähigkeit in einer fragmentierten geopolitischen Ordnung. Seine Schwerpunkte liegen auf präventiver Diplomatie, effizienter Umsetzung und einer stärkeren Koordinierung innerhalb des UN-Systems.
  • Rebeca Grynspan (Costa Rica) wurde von Costa Rica nominiert. Präsident Rodrigo Chaves hatte die Kandidatur bereits im Oktober angekündigt. Die Politikerin und Ökonomin war Vizepräsidentin Costa Ricas und ist derzeit Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Sie legt einen Fokus auf die Revitalisierung der Zusammenarbeit, die Stärkung wirtschaftlicher Steuerung und die Verbesserung institutioneller Effektivität und verbindet dabei entwicklungsökonomische Ansätze mit pragmatischer multilateraler Diplomatie.
  • Macky Sall (Senegal), ehemaliger Präsident Senegals, wurde laut UN-Angaben am 2. März 2026 von Burundi nominiert. In seinem Vision Statement hebt er die strukturellen Ungleichheiten in der globalen Ordnung hervor und fokussiert sich auf Entwicklungsfinanzierung, Klimaresilienz und eine stärkere Repräsentation des Globalen Südens. Zudem betont er, dass Reformen, Straffung und Modernisierung notwendig seien, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen zu können.

Wer auch immer das Rennen um den Posten gewinnt, übernimmt die Führung der Vereinten Nationen in herausfordernden Zeiten. Die Finanzierung bleibt ungewiss, der Umbau der Organisation im Rahmen des UN80-Prozesses schreitet voran, und das geopolitische Umfeld ist von zunehmenden Spannungen und Konflikten geprägt.