26.11.2018 | Women Engage for a Common Future

Kommunen als zentrale Akteure

Geschlechtergerechte Umsetzung der Agenda 2030
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Aus der Einleitung

Niemanden zurücklassen

Die Agenda 2030 steht unter dem Titel „Transformation unserer Welt“ und zeigt damit den Anspruch des globalen Aktionsplans, grundlegende Veränderungen hin zu einer nachhaltigen und gerechten Welt voranzutreiben. Grundvorstellung ist, dass eine nachhaltige Entwicklung nur dann möglich ist, wenn Umwelt und Klima geschützt und erhalten werden sowie alle Menschen berücksichtigt, beteiligt und in allen Lebenslagen gleichberechtigt behandelt werden. Entwicklung darf und kann nicht auf Kosten des Planeten oder der Lebensumstände anderer Menschen und Gesellschaften erfolgen.

Die SDGs vereinen ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele unter einem Dach. Dabei verfolgt die Agenda 2030 einen universellen Anspruch, der alle Staaten der Welt zu „Entwicklungsländern“ mit Nachholbedarf erklärt. Die Ziele gelten für jedes Land. Sie betonen die Notwendigkeit der Veränderungen im eigenen Land, verlieren aber gleichzeitig die internationale Rolle der industrialisierten Länder nicht aus den Augen, die aufgrund ihrer Wirtschaftsweise und ihres Ressourcenverbrauchs eine besondere Verantwortung tragen.

Angesprochen ist die ganze Bandbreite der Politik: Wirtschaft, Soziales, Umwelt, Finanzen, Agrar- und Verbraucherpolitik, Verkehr, Städtebau, Bildung und Gesundheit. Die Unteilbarkeit der Menschenrechte ist eine wichtige Basis, d. h. die Agenda strebt friedlichere, gerechtere und inklusivere Gesellschaften an. Grundlagen dazu sind demokratische Teilhabe, Rechtsstaatlichkeit, gute und transparente Regierungsführung sowie die Berücksichtigung der Menschenrechte. Der inklusive Anspruch der Agenda 2030 will „niemanden zurücklassen“ und „diejenigen zuerst erreichen, die am weitesten zurückliegen“. Sie betont den universalen Respekt für Gleichheit und Diskriminierungsfreiheit.

Herausforderung auf allen Ebenen

Die Bewältigung dieser globalen Herausforderungen verlangt eine tiefgreifende Veränderung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Sinne einer sozial-ökologischen Transformation. Die Widersprüche, die großen Herausforderungen und Chancen, die mit den globalen Zielen verbunden sind, erfordern kluge und mutige Konzepte mit mehr Zukunftsfähigkeit, Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit. Es gilt, die Agenda 2030 durch Bottom-up-Ansätze mit Leben zu füllen, vehemente Forderungen zu stellen, aber auch Vorschläge zu entwickeln – und sie so zu einem lebendigen, politischen Projekt werden zu lassen.

Die globalen Nachhaltigkeitsziele bieten einen sozial-, umweltund gesellschaftspolitisch sinnvollen Bezugsrahmen, um gemeinsame Visionen zu entwickeln und deren Verankerung vor Ort voranzutreiben. Insofern formulieren die SDGs nicht nur Ziele, sondern fungieren auch als Wegweiser, denen Verwaltung, Kommunen und Bürger*innen folgen können. Dazu gehört, eine Balance zwischen einem Verständnis von Nachhaltigkeit als Querschnittsaufgabe und den spezifischen sektoralen Herausforderungen zu finden.

In dieser Publikation stellt WECF Beiträge vor, wie die Agenda 2030 auf kommunaler Ebene geschlechtergerecht umgesetzt werden kann. Wie berücksichtigen kommunale und zivilgesellschaftliche Akteur*innen das eigenständige, nachhaltige Entwicklungsziel Nr. 5 „Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen“ sowie das Querschnittsthema Geschlechtergerechtigkeit innerhalb weiterer SDGs? Welche konkreten Handlungsansätze und Werkzeuge gibt es?

Es werden Hindernisse und auch Erfolgsfaktoren für ressortübergreifendes Denken und Handeln aufgegriffen und konkrete Handlungsansätze und Werkzeuge aufgezeigt, um auch auf kommunaler Ebene transformative Prozesse in Richtung einer nachhaltigen und (gender-)gerechten Gesellschaft anzustoßen.