27.10.2016 | fern/Brot für die Welt

Going Negative

How Carbon Sinks could Cost the Earth
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Um die Pariser Klimaziele trotz schwacher Ambitionen vieler Staaten für den Klimaschutz noch zu erreichen, sollen große Mengen an Kohlendioxid nachträglich aus der Atmosphäre entfernt werden. Im Klimajargon spricht man von Negativemissionen. Was früher als Notlösung und Plan B gehandelt wurde, ist mittlerweile fester Bestandteil aller realistischen Emissionsszenarien des Weltklimarates.

Aber wie entstehen Negativemissionen? Welche Technologien sollen das bewerkstelligen? Welche Risiken gehen damit einher, und wer ist davon betroffen? In Politik und Öffentlichkeit werden diese Fragen bislang kaum diskutiert, obwohl Klimaschutz, Ernährungssicherheit und Armutsbekämpfung in einen schweren Konflikt zu geraten drohen.

Mit dem neuen Bericht „Going Negative – How Carbon Sinks could Cost the Earth“ legt Brot für die Welt gemeinsam mit Fern, Rainforest Foundation Norway und Friends of the Earth Norway einen kritischen Aufriss zu diesem brisanten Thema vor. Der Bericht macht deutlich, welche enormen Auswirkungen das so genannte Climate Engineering auf die zukünftige Landnutzung haben könnte. Technisch und finanziell werden sich Negativemissionen nämlich vor allem über großflächige Aufforstungen oder das Verbrennen von Biomasse in der Verbindung mit der umstrittenen CCS-Technologie realisieren lassen (Bioenergy with Carbon Capture and Storage, BECCS).

Dort, wo im großen Stil Baumplantagen entstehen oder Energiepflanzen angebaut werden, wachsen jedoch keine Nahrungsmittel mehr. Einmal mehr besteht die Gefahr, dass die Menschen vertrieben und sensible Ökosysteme zerstört werden. Leidtragende wären vor allem die Menschen in ärmeren Ländern, dort wo Land billig ist und es oft keine gesicherten Landtitel gibt. Anstrengungen für den Klimaschutz geraten in dieses Dilemma, wenn es nicht das vorrangige Ziel bleibt, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid deutlich zu verringern.

Ganz vermeiden lassen sich Negativemissionen realistischer Weise jedoch nicht mehr. Der Bericht macht aber deutlich, dass es dafür nicht unbedingt Risikotechnologien wie BECCS braucht, sondern nachhaltigen Waldschutz und eine ökologische Agrarwende.

Das Thema Negativemissionen wird auch Teil der Fachtagung „Natur im Dienst von Klimapolitik und Bioökonomie?“ sein, die Brot für die Welt zusammen mit dem FDCL, der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Forum Umwelt & Entwicklung am 16. November in Berlin veranstaltet.