In seinem jährlich zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos erscheinenden Ungleichheitsbericht, zeichnet Oxfam nach, wie es global um die Verteilungsgerechtigkeit bestellt ist und wie sich bestehende Trends der Ungleichheit auf unsere Gesellschaften auswirken. Dabei werden die Zahlen von Jahr zu Jahr alarmierender. Doch die Veränderungen, die der diesjährige Bericht unter der Überschrift „Resisting the Rule oft he Rich“ seit dem letzten Weltwirtschaftsforum dokumentiert, sind so drastisch, dass Charlotte Becker von Oxfam Deutschland von einer „Ära der Milliardärinnen und Milliardäre“ spricht. Denn während für viele Menschen das Leben aufgrund von steigenden Preisen kaum mehr bezahlbar ist, ist das Vermögen von Milliardär:innen im letzten Jahr dreimal so schnell gewachsen, wie durchschnittlich in den letzten fünf Jahren davor. Oxfam betont, dass es nicht um Neid geht, wenn diese extreme Form des Vermögenszuwachses kritisiert wird. Das Problem bestehe darin, dass mit diesem extremen Reichtum auch politische Macht einhergehe, die unsere Demokratien in Gefahr bringt. So liegen die Aussichten für Milliardär:innen, ein politisches Amt zu bekleiden 4000 Mal höher als für durchschnittliche Bürger:innen. Wirtschaftliche Ungleichheit übersetzt sich in politische Ungleichheit und hebelt letztendlich das System der Gewaltenteilung aus. Der Bericht zitiert die niederländische Philosophin Ingrid Robeyns mit dem Vorschlag, analog zu „extremer Armut“ auch eine Messlinie für „extremes Vermögen“ einzuführen, die bei zehn Millionen US-Dollar liegen könnte.
Oxfam fordert die Regierungen dazu auf:
- im nationalen Rahmen realistische und zeitgebundene Pläne zur Verringerung der Ungleichheit mit festgelegten Zielmarken und regelmäßiger Überwachung der Fortschritte vorzulegen.
- Superreiche wirksam zu besteuern, um ihre Macht zu verringern.
- für eine stärkere Trennung von Vermögen und Politik zu sorgen, unter anderem durch strengere Vorschriften gegen Lobbyismus und Wahlkampffinanzierung, die Gewährleistung einer größeren Unabhängigkeit der Medien und das Verbot von Hassreden.
- sich für die politische Stärkung der Bürger:innen einzusetzen, einschließlich eines stärkeren Schutzes der Vereinigungs-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit der Menschen sowie der zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gewerkschaften.
Der globale Bericht erscheint auf Englisch und findet sich hier.
Eine Analyse der Ungleichheit in Deutschland erschien komplementär zum globalen Bericht unter dem Titel „Die Zerreißprobe“.
