Unter der Überschrift „A future we choose“ veranschaulicht der jüngste Bericht zur globalen Umweltprognose des United Nations Environmental Programme (UNEP) auf eindrückliche Weise, warum globale Nachhaltigkeitspolitik nicht nur eine Frage der Moral, sondern aus ökonomischer Perspektive geboten ist. Die Publikation umfasst mehr als tausend Seiten und ist die umfangreichste Analyse der globalen Umweltbedingungen, die bisher jemals erstellt wurde. 287 Wissenschaftler:innen aus 82 Ländern haben drei Jahre lang daran gearbeitet. Sie zeigen auf, wie sich globale Umweltkrisen sozio-ökonomisch nicht nur auf die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele auswirken, sondern auch auf wirtschaftliche Performance und Arbeitsbedingungen. Der Bericht beleuchtet, wie wachstumsorientierte Wirtschaftssysteme einerseits Umweltkrisen verursachen, gleichzeitig aber selbst durch sie geschwächt werden.
Neben den bekannten verheerenden Folgen in Hinsicht auf Armut, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergerechtigkeit und Zugang zu Trinkwasser haben die veränderten Umweltbedingungen nämlich auch massive Auswirkungen auf Wirtschaftsleistung, Produktivität und Arbeitsbedingungen. So schätzen die Forscher:innen, dass bis 2100 mit einem Rückgang des Globaleinkommens von 23 Prozent zu rechnen ist. Allein der erwartete Hitzestress wird ihren Berechnungen zufolge bis 2030 zu einem Einbruch des globalen BIP um 2,4 Billionen US-Dollar führen. In Bezug auf SDG 9, das auf den Aufbau widerstandsfähiger Infrastruktur, nachhaltiger Industrialisierung und Innovation setzt, rechnen sie vor, welche Kosten die Erderwärmung in diesen Schlüsselsektoren verursacht. Sie führen aus, dass 2020 etwa die Hälfte des Globaleinkommens direkt oder indirekt von einer intakten Natur abhängig war. Allein im Jahr 2022 beziffern sie die durch Extremwetterereignisse entstandenen Infrastrukturschäden auf 700 Milliarden US-Dollar.
Der Bericht stellt den extrem hohen Kosten des Nichthandels eine globale Rendite von Investitionen in Transformation und Nachhaltigkeit entgegen. Aus ihrer Sicht ist bei einer gesamtgesellschaftlichen und parteienübergreifenden Kraftanstrengung nach einer Anschubfinanzierung langfristig mit einem „Return of Investment“ zu rechnen, das bis 2070 auf 20 Billionen US-Dollar jährlich anwachsen könnte.
Noch liegt es in unsere Hand, so das Credo des Berichts, für welche Zukunft für uns entscheiden.
