07.06.2018 | Forum Umwelt und Entwicklung

Tag der Meere muss wachrütteln

Existenzgrundlage der Menschheit darf nicht weiter zerstört werden
Die tiefe See
Die tiefe See

Zum Tag der Ozeane am 8. Juni 2018 weisen Umwelt- und Entwicklungsverbände auf die anhaltende Zerstörung der Meere hin. Nicht nur nehmen Plastikverschmutzung und Überfischung weiter zu. Auch werden die Meere zunehmend wirtschaftlich erschlossen, um globale Probleme zu bewältigen, die mit dem Klimawandel, steigendem Energiebedarf oder Nahrungskrisen einhergehen. Selbst der Rohstoffbedarf für neue Technologien und die Digitalisierung soll durch den Abbau in den Meeren gedeckt werden. Die Planungen zum Tiefseebergbau verlaufen vornehmlich hinter verschlossenen Türen.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Explorations- und Forschungsprojekte für Bergbau in der Tiefsee. In einem neuen Positionspapier kritisieren die Verbände, dass die Bundesregierung eine Reihe von Industrie- und Forschungsinitiativen politisch und finanziell unterstützt, die den Tiefseebergbau massiv vorantreiben. Zuletzt fand diese Woche in Brüssel ein Treffen zwischen Belgien und Deutschland statt, um sich über ein gemeinsames Forschungsvorhaben für Tiefseebergbau auszutauschen.

Die Verbände befürchten, dass mit diesen Initiativen insbesondere auch die Tiefseebergbauvorhaben im Pazifik weiter legitimiert werden. In den Gewässern Papua-Neuguineas soll 2019 im Gebiet Solwara 1 das erste Tiefseebergbauprojekt starten, durchgeführt vom kanadischen Unternehmen Nautilus Minerals. Weite Teile der Zivilgesellschaft im Pazifik positionieren sich klar gegen Tiefseebergbau und wollen nicht, dass ihr Lebensraum zu einem Experimentierfeld für eine neue Industrie mit nicht absehbaren Folgen wird.

Der Sprecher der AG Meere beim Forum Umwelt und Entwicklung Kai Kaschinski erläutert die Position seines Verbands: „Mit dem Tiefseebergbau wird ein völlig neuer Industriezweig entstehen, der zusätzliche Belastungen der Meereswelt mit sich bringt. Der Bergbau am Meeresboden geht mit einer Zerstörung der betroffenen Gebiete und Artensterben einher. Da die ökologischen Kreisläufe in den Ozeanen überlebenswichtig für den ganzen Planeten sind, wir bisher aber nur wenig Konkretes über die Wechselbeziehungen in der Tiefsee wissen, sind die negativen Auswirkungen dieser Eingriffe möglicherweise dramatisch. Tiefseebergbau ist in diesem Sinne eine Risikotechnologie und steht für den Wunsch nach unbegrenztem Wachstum, nicht für eine vorsorgende Politik.“

Laura Weis, Koordinatorin des AK Rohstoffe, führt dazu ergänzend aus: “Egal ob an Land oder in der Tiefsee – der Abbau von Rohstoffen geht fast immer mit negativen ökologischen und sozialen Folgen einher, die sich nicht in den Rohstoff- und Produktpreisen wiederfinden und vor allem in Ländern des Globalen Südens anfallen. Eingriffe in das Ökosystem der Ozeane werden massive Auswirkungen auf das Leben von Küstenbewohner*innen haben, da diese oft in enger Verbundenheit mit den Ozeanen leben. Wenn Tiefseebergbau die Meeresumwelt beeinträchtigt, Gewässer verschmutzt, Fischbestände dezimiert und vertreibt und Touristen*innen fernhält, wird den Küstengemeinden die wirtschaftliche Lebensgrundlage genommen. Statt Bergbauprojekte in der Tiefsee voranzutreiben, sollte die Bundesregierung sich darauf konzentrieren, den absoluten Rohstoffverbrauch in Deutschland und Europa auf ein nachhaltiges Maß zu reduzieren.“

Ein Positionspapier gegen Tiefseebergbau wurde von der AG Tiefseebergbau formuliert, einem Zusammenschluss der AG Meere im Forum Umwelt und Entwicklung sowie dem AK Rohstoffe. Es kann hier heruntergeladen werden: http://www.forumue.de/wp-content/uploads/2018/05/Positionspapier-Tiefseebergbau-25042018.pdf

Weitere Informationen zur AG Meere: https://www.forumue.de/themen/ag-meere/

Weitere Informationen zum AK Rohstoffe: http://alternative-rohstoffwoche.de/ak-rohstoffe/

Brot für die Welt, Fair Oceans und das Forum Umwelt und Entwicklung laden auch in diesem Jahr wieder am „Tag der Ozeane 2018“ zu einer Konferenz zur internationalen Meerespolitik ein. Gäste aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stellen Lösungsansätze für die vielfältigen Probleme der Meere vor. 08. Juni 2018 – 10:00 bis 16:00 Uhr, Landesvertretung Bremen in Berlin – Hiroshimastraße 24, 10785 Berlin. Anmeldung unter: christiane.foellinger@fair-oceans.info

Programm und weitere Infos unter https://www.forumue.de/save-the-date-konferenz-zum-tag-der-ozeane-2018-weltmeere-zwischen-umwelt-und-entwicklung/